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Gassensor
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Ein Gassensor ist ein Chemosensor fĂŒr die Detektion gasförmiger Substanzen. Der Anteil bestimmter chemischer Inhaltsstoffe des Gases wird vom Sensor in ein elektrisches Signal umgewandelt.
Contents
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Einsatzgebiete und wirtschaftliche Bedeutung
Einsatzgebiete und Beispielanwendungen
Bedingt durch sinkende Preise und steigendes Sicherheitsbewusstsein verbreiten sich Gassensoren in MassenmÀrkten. In fast jedem neu gebauten Automobil und in fast jedem Haushalt sind Gassensoren zu finden.
âą Sicherheitstechnik: Explosionsschutz (Methan- und Kohlenstoffmonoxid-Detektion in Bergwerken, Wasserstoff-Detektion bei Brennstoffzellen), Detektion von Gaslecks (Erdgasversorgung, FlĂŒssiggas), Vergiftungsschutz (personengebundene Kohlenstoffmonoxid- und Schwefelwasserstoff-Ăberwachung), Leckageerkennung (Ăberwachung von flĂŒchtigen organischen Komponenten in Chemielagern, Lösungsmitteln und KĂŒhlmitteln), Brandmelder (Brandgasdetektion durch intelligente Melder), Drogentest (Atemalkoholtest fĂŒr den StraĂenverkehr), Detektion chem. Kampfstoffe (Sprengstoff, Giftgas). Einsatz in Gas Protection Units von Geldautomaten.cite-ref-isatron-de-1-0[1]
âą Emissionsmessung (Motorregelung ĂŒber Lambda-Sonde, Fahrzeugdiagnose, Messung gasförmiger Immissionen im stĂ€dtischen Verkehr)
âą Komfort: LuftgĂŒte in InnenrĂ€umen (automatische LĂŒftungsklappe im PKW, GebĂ€udemanagement, Dunstabzug)
âą QualitĂ€tssicherung: Leckageerkennung (Lösemittelerkennung), ProzessĂŒberwachung (Lambda-Sonde)
Wirtschaftliche Bedeutung
Es gibt weltweit unterschiedliche Schwerpunkte. Die Kohlenstoffmonoxid-Detektion ist sehr verbreitet in den USA und zunehmend auch in Europa, wĂ€hrend in Asien Gassensoren vornehmlich zur Detektion von Erdgas in Hausinstallationen und Heizungsanlagen verwendet werden. Im Automobilbau ist die Lambdasonde, ein Sauerstoffsensor, wesentlicher Bestandteil des Motormanagements und ermöglicht zusammen mit dem Fahrzeugkatalysator eine wesentliche Verringerung gesundheitsschĂ€dlicher Emissionen. Metalloxid-Halbleitergassensoren zur automatischen Ansteuerung der Umluftklappe der InnenraumlĂŒftung waren anfĂ€nglich nur in Europa zu finden, nun weltweit. Die Ăberwachung der LuftgĂŒte in der industriellen Sicherheitstechnik und beim GebĂ€udemanagement ist vornehmlich in Nordamerika, Afrika und Europa verbreitet, zunehmend auch in Asien. Der globale Markt fĂŒr Gassensor- und Gasanalyse-Systeme wurde fĂŒr 2018 auf etwa 1,5 Milliarden Dollar geschĂ€tzt, wobei Deutschland bei der Herstellung von Sensoren hinter den USA und Japan auf Platz 3 in der Rangliste der WeltmarktfĂŒhrer lag.cite-ref-isatron-de-1-1[1]
Anforderungen an Gassensoren
⹠hohe SelektivitÀt: EinschrÀnkung der Sensorreaktion auf eine Zielsubstanzcite-ref-hanno-schaumburg-2-0[2]
âą hohe Empfindlichkeit: Gasdetektion in gewĂŒnschtem Konzentrationsintervall, zwischen wenigen ppbcite-ref-3[3]cite-ref-4[4] und 100 Volumenprozentcite-ref-5[5]
⹠StabilitÀt: chemisch, elektrisch, mechanischcite-ref-hanno-schaumburg-2-1[2]
âą fĂŒr schnelle Anwendungen: kleine thermische und chemische Zeitkonstanten
âą niedriger Leistungsbedarf
âą einfache KalibrierfĂ€higkeit bei möglichst groĂen ZeitrĂ€umen zwischen den erforderlichen Kalibrationen
âą geringe Exemplarstreuung
âą einfache Handhabbarkeit
âą geringer Preis
Je nach Anwendungsfall werden diese Anforderungen unterschiedlich stark gewichtet.cite-ref-hanno-schaumburg-2-3[2]
Messprinzipien und Funktionsweisen
Problematik chemischer Sensoren
Chemische Sensoren gibt es spĂ€testens seit der Erfindung der Clark-Elektrode 1962 (ob bspw. frĂŒhere Formen der Galvanischen Zelle oder die Grubenlampe in diese Kategorie fallen, ist Definitionssache). WĂ€hrend Sensoren zum Messen physikalischer GröĂen wie beispielsweise Temperatur, Druck und Beschleunigung i. d. R. wasser- und luftdicht verschlossen sind, steht ein chemischer Sensor wie der Gassensor in direkter Wechselwirkung mit seiner Umgebung. Dadurch ist er auch wesentlich anfĂ€lliger fĂŒr Vergiftung (UmwelteinflĂŒsse, die den Sensor unempfindlich werden lassen), Querempfindlichkeit (Stoffe auĂer der Zielkomponente, die ein Sensorsignal hervorrufen), Korrosion, Langzeitdrift, Nullpunktdrift und Temperaturdrift.cite-ref-gerhard-wiegleb2-7-0[7]
Ăbersicht Messprinzipien
Es gibt viele Möglichkeiten der Gasdetektion, die sich nach der Art der Umsetzung der chemischen Information in eine elektronische unterscheiden. Letztlich muss immer ein elektronisches Signal vorliegen, das von der nachfolgenden Elektronik verarbeitet werden kann. Bis es aber so weit ist, erfolgt eine u. U. vielschichtige Umsetzung ĂŒber verschiedene physikalische GröĂen und Sensorprinzipien, von denen hier eine Auswahl vorgestellt wird. Je nach Anwendungsfall (Welches Gas soll detektiert werden? Welche Konzentrationen sind zu erwarten? Wie schnell muss die Messung erfolgen? Welchen Umweltbedingungen ist der Gassensor ausgesetzt? Wie teuer darf der Sensor sein? Wie ist seine kommerzielle VerfĂŒgbarkeit? Welche Wartungsintervalle sind zulĂ€ssig? usw.) muss ein geeignetes Sensorprinzip ausgewĂ€hlt werden.cite-ref-gerhard-wiegleb2-7-1[7]
Physikalische Messmethoden
Ausnutzung molekularer Eigenschaften zur Detektion: WĂ€rmeleitfĂ€higkeit, MolekĂŒlmasse, Diffusionsverhalten, MolekĂŒlstruktur (magnetische Eigenschaften, bspw. Paramagnetismus beim Sauerstoffsensor), MolekĂŒlstabilitĂ€t (Bindungsenergie) und MolekĂŒlbeweglichkeit.
Chemische Messmethoden
Elektrische Prinzipien
Resistiv, Chemo-Resistor
Bei resistiven Prinzipien beeinflusst das zu messende Gas oder Gasgemisch direkt die LeitfĂ€higkeit einer gasempfindlichen Sensorschicht. Diese WiderstandsĂ€nderung dient als MessgröĂe.cite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-0[8] Beispiele:
âą anorganischer Metalloxid-Halbleiter (MOX)cite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-1[8]
âą organisches Phthalocyanincite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-2[8]
Kapazitiv
MessgröĂe ist hier die KapazitĂ€t eines Kondensators, die beeinflusst wird durch ein gasempfindliches Dielektrikum.cite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-4[8] Beispiele:
âą Polymersensoren zur Feuchtemessungcite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-5[8]
Potentiometrisch
Beim potentiometrischen Sensor wird vom Sensor selbst eine Spannung erzeugt, die direkt messbar ist. Beispiele:
⹠Festkörper-Ionenleiter (Lambdasonde)cite-ref-hans-rolf-tr-nkler-ernst-obermeier-9-0[9]
âą Chemo-Transistor (Polymer-Feldeffekttransistor)cite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-6[8]
Amperometrisch
âą Flammenionisationsdetektorcite-ref-j-rg-hoffmann-10-0[10]
âą Photoionisationsdetektorcite-ref-hans-rolf-tr-nkler-leonhard-m-reindl-11-0[11]
Thermisch
Bei thermischen Prinzipien wird die Temperaturerhöhung aufgrund einer chemischen Reaktion an der SensoroberflĂ€che gemessen oder direkt die WĂ€rmeleitfĂ€higkeit des Gases als MessgröĂe verwendet.cite-ref-hans-rolf-tr-nkler-ernst-obermeier-9-1[9]
Thermochemisch
Auf der SensoroberflÀche finden chemische Reaktionen statt, bei denen Energie in Form von WÀrme abgegeben wird. Diese Temperaturerhöhung wird gemessen. Beispiel:
⹠WÀrmetönungssensor (z. B. Pellistor)
Thermisch-physikalisch
Direkte Messung der WÀrmeleitfÀhigkeit der GasatmosphÀre. Beispiel:
⹠WÀrmeleitfÀhigkeitsdetektorcite-ref-hans-rolf-tr-nkler-ernst-obermeier-9-2[9]
Gravimetrisch
Bei gravimetrischen Sensoren wird eine MassenĂ€nderung gemessen. GasmolekĂŒle lagern sich beispielsweise auf der OberflĂ€che eines Schwingquarzes ab und verĂ€ndern dadurch seine Resonanzfrequenz. Solche Sensoren arbeiten nach dem Prinzip eines piezoelektrischen Sensors.cite-ref-gerhard-wiegleb-12-0[12] Beispiele:
Optisch
Optische Gassensoren nutzen die optischen Eigenschaften eines mit Gas gefĂŒllten Probenraumes.cite-ref-hans-rolf-tr-nkler-ernst-obermeier-9-3[9] Beispiele:
âą Brechungsindex
⹠Absorptionsspektrum im Infrarotbereich, IR-Spektroskopie, ThermosÀulen mit vorgesetzten Filtern
⹠IntensitÀt, Lumineszenz
Biochemisch
Funktionsweisen gÀngiger Sensorprinzipien
WÀrmetönungseffekt
Funktionsprinzip
Bei WĂ€rmetönungssensoren entsteht der Sensoreffekt durch die Verbrennung von adsorbierten Gasen an der OberflĂ€che eines Katalysators.cite-ref-georg-schwedt-torsten-c-schmidt-oliver-j-schmitz-13-0[13] Damit eine chemische Reaktion ablĂ€uft, ist eine Aktivierungsenergie notwendig. Der Katalysator bewirkt eine Herabsetzung dieser Aktivierungsenergie. An seiner OberflĂ€che bilden sich ZwischenzustĂ€nde der Reaktion, die ohne ihn nicht möglich wĂ€ren. GasmolekĂŒle werden aufgetrennt (homolytische Dissoziation) und stehen den Reaktionspartnern an der KatalysatoroberflĂ€che zur VerfĂŒgung. Dieser Vorgang findet auch in jedem Fahrzeugkatalysator statt. Hierbei reagiert beispielsweise ein Ausgangsstoff (Stickstoffmonoxid, NO) zu zwei Reaktionsprodukten (Sauerstoff und Stickstoff). Bei Gassensoren reagieren jedoch meistens zwei Ausgangsstoffe zu nur einem Produkt, beispielsweise Kohlenstoffmonoxid und Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Der Katalysator selbst ist an der Reaktion im Idealfall nicht beteiligt und bleibt unverĂ€ndert. Katalysatormaterialien sind beispielsweise Edelmetalle wie Platin (Pt) oder Palladium (Pd) aber auch Metalloxide wie beispielsweise Manganoxid oder Kupfer(II)-oxid.cite-ref-ep3105571-14-0[14]
Der Katalysator hat keinen Einfluss auf die Energiebilanz einer Reaktion, sondern beeinflusst lediglich die Geschwindigkeit, mit der die Reaktion ablÀuft. Die Geschwindigkeit der Reaktion der Ausgangsstoffe zum Reaktionsprodukt, hÀngt von der Konzentration der Reaktionsteilnehmer und der Temperatur ab.
Die Reaktion findet nur auf der KatalysatoroberflĂ€che an katalytisch aktiven OberflĂ€chenplĂ€tzen (aktive Zentren) statt. Die Adsorption des gasförmigen Stoffes verlĂ€uft hierbei exotherm, also unter Abgabe von WĂ€rmeenergie und die Desorption endotherm (Aufnahme von WĂ€rmeenergie aus der Umgebung). Wird dem Katalysator ein Stoff angeboten, der nicht mehr von der OberflĂ€che desorbiert, weil nicht genĂŒgend Desorptionsenergie zur VerfĂŒgung steht, so wird der Katalysator durch diesen Stoff vergiftet, da die aktiven Zentren blockiert werden. Katalysatorgifte sind beispielsweise Schwefelverbindungen (SO2, H2S) oder silikonhaltige Stoffe aus Ălen oder Reinigungsmitteln (z. B. Hexamethyldisiloxan (HMDS, Weichmacher in Kabelisolierungen)).cite-ref-kimessa-de-15-0[15]
Geht bei einer chemischen Reaktion ein Teilchen von einem Zustand mit einer höheren Energie in einen Zustand niedriger Energie ĂŒber, so kann die Energiedifferenz in Form von WĂ€rme abgegeben werden. Daraus resultiert im statischen Fall eine Temperaturerhöhung des Systems. D. h. die Messung der Temperatur kann also zur Bestimmung der Reaktionsrate herangezogen werden, die wiederum von der Konzentration der vorhandenen Reaktionspartner abhĂ€ngig ist. Dieser Effekt wird bei sogenannten Pellistoren ausgenutzt, indem die WĂ€rmetönung durch die WiderstandsĂ€nderung eines Platindrahtes aufgrund der erhöhten Temperatur messtechnisch erfasst wird. Der Heizdraht dient hierbei gleichzeitig als Temperatursensor (Widerstandsthermometer). Durch Pellistoren lassen sich brennbare Gase (z. B. Methan, Propan, Butan, Wasserstoff) nachweisen. Nichtbrennbare Gase werden durch einen Pellistor i. A. nicht erkannt, da der Effekt zu gering ist. Deswegen eignet sich der Pellistor vornehmlich fĂŒr hohe Gaskonzentrationen im unteren Prozent-Bereich und wird hĂ€ufig zur Ăberwachung von Grenzwerten (Explosionsgrenze), beispielsweise im Explosionsschutz eingesetzt.cite-ref-16[16]cite-ref-georg-schwedt-torsten-c-schmidt-oliver-j-schmitz-13-1[13]
Bauformen
Die klassische Bauform eines Pellistors ist ein Widerstandsheizer in Form eines gewickelten Platindrahtes eingebettet in einer Keramik-Perle. Diese Perle ist mit einer katalytisch aktiven Substanz beschichtet. Die ReaktionswĂ€rme dringt durch die OberflĂ€che der Perle zu dem Platindraht. Durch die ErwĂ€rmung Ă€ndert dieser seinen Widerstand, was als MessgröĂe dient. Siehe Explosimeter. Um die zur Heizung benötigte Leistungsaufnahme zu reduzieren, wird daran gearbeitet, Pellistoren auch mikromechanisch in Siliciumtechnologie herzustellen. Hierbei wird ein Siliciumchip so bearbeitet, dass als TrĂ€ger fĂŒr die Sensorschicht eine sehr dĂŒnne (wenige Mikrometer) Membran bleibt. Die gröĂten Vorteile dieser Membrankonstruktion sind: Geringer Leistungsbedarf, da wegen der dĂŒnnen Membran (d. h. hoher WĂ€rmewiderstand) weniger Energie benötigt wird, um die Betriebstemperatur zu erreichen. Massenfertigung im Batch-Prozess.
Vorteile
âą robust
âą preiswert
⹠lineare Sensorreaktion in AbhÀngigkeit von der Gaskonzentrationcite-ref-forschungszentrum-dresden-rossendorf-17-0[17]
âą relativ leicht kalibrierbar (Einpunkt-Kalibrierung)cite-ref-forschungszentrum-dresden-rossendorf-17-1[17]
Nachteile
âą geringe Empfindlichkeit (Messbereich typisch 0â100 % UEG), da fĂŒr eine ausreichend hohe WĂ€rmetönung verhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂe Gaskonzentrationen notwendig sind.
⹠geringe SelektivitÀt: Jedes Gas, das auf der KatalysatoroberflÀche des Pellistors verbrennt und eine messbare WÀrmetönung hervorruft, wird von dem Pellistor als Widerstandserhöhung registriert, so dass eine selektive Bestimmung der Gasart schwierig ist.
Metalloxid-Halbleitergassensoren (MOX)
Funktionsprinzip
Metalloxid-Gassensoren verfĂŒgen ĂŒber eine i. d. R. elektrisch beheizte Schicht eines halbleitenden Metalloxids, wie beispielsweise Zinn(IV)-oxid (SnO2), welches in AbhĂ€ngigkeit der umgebenden GasatmosphĂ€re seinen elektrischen Widerstand Ă€ndert. Dieser Widerstand kann mit einer integrierten oder separaten elektronischen Schaltung ausgewertet und in ein Konzentrationssignal ĂŒbersetzt werden. Neben der Konzentration des Zielgases wirken sich auch der physikochemische Zustand der Schichtcite-ref-19[19] sowie die Konzentration von Luftfeuchte und weiteren Gasen auf das Widerstandssignal aus, sodass die Berechnung der Konzentration i. d. R. ausgefeilte Auswertealgorithmen und die BerĂŒcksichtigung von Querempfindlichkeiten erfordert.
Die Widerstands- bzw. LeitfĂ€higkeitsĂ€nderung bei den eingesetzten Halbleitermaterialien (neben SnO2 gehören dazu bspw. Zinkoxid, Titandioxid und Kupfer(II)-oxid) beruht auf elektrochemischen Prozessen an der GrenzflĂ€che zwischen der Sensorschicht und der sie umgebenden GasatmosphĂ€re. Dies gilt auch fĂŒr organische Halbleitergassensoren auf Basis von bspw. MePTCDIcite-ref-gerhard-wiegleb2-7-2[7] oder Phtalocyaninverbindungencite-ref-20[20].
Bei Zinndioxid-Sensoren wirken Sauerstofffehlstellen im Kristallgitter wie eine n-Dotierung des Materials. SauerstoffmolekĂŒle aus der Umgebungsluft adsorbieren auf der SensoroberflĂ€che. Dadurch entstehen an der OberflĂ€che geladene Sauerstoffspezies. Aufgrund der energetischen Lage der AdsorptionsplĂ€tze an der ZinndioxidoberflĂ€che (im BĂ€ndermodell unterhalb des Fermi-Niveaus), nimmt der Sauerstoff Elektronen aus dem Halbleiterinnern auf, sodass eine Raumladungszone entsteht. Im BĂ€ndermodell spricht man von einer Bandverbiegung, die zu einer Verringerung der LeitfĂ€higkeit an der OberflĂ€che fĂŒhrt.
Wenn die Sauerstoffspezies ihrerseits mit brennbaren Gasen reagieren (etwa bei der Reaktion von Kohlenstoffmonoxid zu Kohlenstoffdioxid), werden die Sauerstoffspezies der OberflĂ€che entzogen. Im BĂ€ndermodell stellt sich das so dar, dass die energetische Lage des Reaktionsproduktes oberhalb des Fermi-Niveaus liegt und nicht besetzt ist, wodurch wieder ein Elektron an den Halbleiter abgegeben wird, das Reaktionsprodukt desorbiert und die LeitfĂ€higkeit wieder steigt. Es bildet sich so ein Gleichgewicht zwischen Adsorption und Desorption von Sauerstoff, Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid. Dies fĂŒhrt zu einer VerĂ€nderung in der Sauerstoff-Bedeckung der OberflĂ€che des Sensors, wodurch sich die Höhe der Bandverbiegung (Energiebarriere) Ă€ndert und damit die LeitfĂ€higkeit des Sensors, was makroskopisch in einer VerĂ€nderung des Widerstandes messbar ist.
Reduzierende Gase wie z. B. Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff bewirken im n-Halbleiter eine Erhöhung der LeitfĂ€higkeit, wĂ€hrend oxidierende Gase die LeitfĂ€higkeit verringern. Der Betrag der Ănderung der LeitfĂ€higkeit ist hierbei von der Gaskonzentration abhĂ€ngig.
Die obige Betrachtung gilt modellhaft fĂŒr einkristallines HL-Material. Wie beschrieben wirkt sich die LeitfĂ€higkeitserhöhung bzw. âverringerung an der Randzone, der Korngrenze des Kristalls aus. Um die Empfindlichkeit zu erhöhen, werden viele dieser Korngrenzen benötigt, weshalb man in der Sensorherstellung versucht, dem HL-Material eine möglichst polykristalline Struktur zu geben. Damit möglichst viele GasmolekĂŒle die Korngrenzen erreichen, sollte die OberflĂ€che auĂerdem möglichst porös sein. Der Elektronenfluss durch den Sensor wird dann durch die Energiebarriere an den Korngrenzen dominiert. Die Höhe der Energiebarriere wiederum ist abhĂ€ngig von der Gaskonzentration, so dass sich im Betrieb bei konstanter Temperatur folgender experimenteller Zusammenhang ergibt:
G = G 0 â
â
c r {\displaystyle G=G_{0}\cdot c^{r}}
G {\displaystyle G} : Leitwert, G 0 {\displaystyle G_{0}} : Grundleitwert, c {\displaystyle c} : Gaskonzentration, r {\displaystyle r} : empirisch ermittelter Exponent
Dieser Zusammenhang ist allerdings extrem vereinfacht und gilt nur unter kontrollierten Laborbedingungen fĂŒr ein Gas. Die komplexen chemischen Reaktionsmechanismen, die sich auf dem Sensor abspielen sind immer noch Gegenstand aktueller Forschung.
Bauformen
Zur Herstellung der sensitiven Schichten sind zwei Technologien am hĂ€ufigsten verbreitet: DĂŒnnschicht- und Dickschichttechnologie.cite-ref-gerhard-wiegleb-12-2[12] Bei der DĂŒnnschichttechnologie sind Schichtdicken im Bereich von 10 nm bis 5 ”m ĂŒblich, die durch physikalische oder chemische Verfahren, wie beispielsweise thermisches Aufdampfen, Sputtern oder Chemische Gasphasenabscheidung aufgebracht werden. Dickschichttechnologie bezeichnet Beschichtungsverfahren, mit denen Schichten zwischen 10 ”m und 80 ”m hergestellt werden. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das Siebdruckverfahren, bei dem eine pastenförmige Masse mit einer Rakel durch eine Schablone auf das Sensor-TrĂ€germaterial (Substrat) aufgebracht wird. Diese Herstellungsmethode wird benutzt, um möglichst poröse Schichten zu erzeugen. Die PorositĂ€t vergröĂert die OberflĂ€che des Sensormaterials, wodurch mehr Gas an die Korngrenzen gelangt und dadurch die Empfindlichkeit erhöht wird. So wie es unterschiedliche Verfahren fĂŒr die Herstellung der Sensorschicht gibt, existieren verschiedene Technologien fĂŒr das Sensor-Substrat. Bei traditioneller Bauweise wird ein Keramiksubstrat verwendet, auf dem die gassensitive Metalloxidschicht aufgebracht wird. Im Vergleich dazu gibt es auch MOX-Sensoren mit mikrostrukturierten Aufbau in Si-Technik mit Membranstruktur. Das Keramiksubstrat ist mehrere Hundert ”m dick und erfordert, verglichen mit der etwa 5000-mal dĂŒnneren Si-Membran eine wesentlich höhere Heizleistung (â 2 W bei Keramiksubstraten, â 80 mW bei Membranstrukturen). Die Membran besteht meistens aus Siliciumdioxid oder Siliciumnitrid und hat eine geringe WĂ€rmekapazitĂ€t und einen hohen WĂ€rmewiderstand. Dadurch erwĂ€rmt die durch den Heizer eingebrachte Heizleistung quasi nur die Membran, wĂ€hrend der Chiprahmen nahezu auf Umgebungstemperatur bleibt. Der Aufbau in Siliciumtechnologie verringert somit die benötigte Heizleistung und ermöglicht die Massenfertigung im Batch-Prozess.
Der Taguchi-Sensor
Ein bekannter Sensor ist der von Naoyoshi Taguchi entwickelte âFigaro-Sensorâ auf Zinnoxidbasis.cite-ref-s-yamauchi-21-0[21] Der Typ TGS 813 wird besonders als Nachweis fĂŒr Erdgas, Methangas verwendet, der Typ TGS 822 dient zum Nachweis von Alkohol, Ammoniak usw. Schon im Jahr 1988 wurden beispielsweise 400.000 StĂŒck des Sensors TGS 813 (guter Nachweis fĂŒr Erdgas und Methan) verkauft.cite-ref-doi10-1016-0925-4005-93-85311-w-22-0[22]
Die Empfindlichkeit beim Taguchi-Sensor hĂ€ngt entscheidend von der durchschnittlichen KorngröĂe des Zinnoxids ab und diese sollte eine KorngröĂe von 10 nm nicht ĂŒberschreiten.cite-ref-s-yamauchi-21-1[21] Bei ganz trockener Luft ist die Empfindlichkeit des TGS 822 auf Ethanol sehr stark eingeschrĂ€nkt. Die SpannungsĂ€nderung sinkt stark ab. Im Bereich 30â60 % Luftfeuchtigkeit reagiert der TGS 822 auf Ethanol zwar auch auf Ănderungen der Luftfeuchtigkeit, jedoch nur sehr marginal. Ist nur ein Gas vorhanden, so kann die Bestimmungen der relativen Konzentration durch Kalibrierung ermittelt werden.
Vorteile
âą preiswert durch Massenfertigung
âą hohe Empfindlichkeit im ppm-Bereich
⹠lange Lebensdauer (abhÀngig von Bauart (klassisch, mikromechanisch))
Nachteile
⹠Nichtlineare Sensorreaktion in AbhÀngigkeit von der Gaskonzentration
⹠hohe Drift und Alterung (AbhÀngig auch von Bauart: klassisch, mikromechanisch)
⹠Kalibrierung wegen NichtlinearitÀt schwierig
âą Querempfindlichkeiten z. B. Luftfeuchtigkeit
⹠geringe SelektivitÀt
âą hoher Energieverbrauch durch erforderliche Betriebstemperatur (1â4 W) (herabgesetzt durch Miniaturisierung und DĂŒnnschicht-Technologie)
Infrarotoptische Gassensoren (NDIR)
Funktionsprinzip
NDIR-Gassensoren nutzen zur Messung der Gaskonzentration die unterschiedliche Absorption infraroter Strahlung durch Gase in Ă€hnlicher Weise wie die Absorptionsspektrometrie. Die AbkĂŒrzung NDIR steht fĂŒr NichtDispersiv InfraRot.cite-ref-jacob-y-wong-roy-l-anderson-23-0[23] Im Gegensatz zur Spektrometrie wird der interessierende Spektralbereich nicht punktweise (dispersiv) durchfahren. Vielmehr wird in einem einzigen Schritt ein Summensignal gebildet.cite-ref-24[24]
Absorption von Infrarotstrahlung durch Gase
Die Strahlungsabsorption bei Gasen erfolgt im infraroten WellenlĂ€ngenbereich hauptsĂ€chlich durch die Anregung von Schwingungen und Rotation der GasmolekĂŒle. Die ErklĂ€rung liefert die Quantenphysik. Die notwendigen Energien ergeben sich aus den AbstĂ€nden der Energieniveaus der quantenmechanischen GrundzustĂ€nde E 0 {\displaystyle E_{0}} zu den angeregten ZustĂ€nden E 1 {\displaystyle E_{1}} . Möglich sind aber auch ĂbergĂ€nge zwischen höheren Niveaus. Im ersten Fall können dann Photonen der Energie
E 1 â â E 0 = h â
â
c λ λ {\displaystyle E_{1}-E_{0}={\frac {h\cdot c}{\lambda }}}
absorbiert werden. Darin sind h und c Naturkonstanten (Planck-Konstante und Lichtgeschwindigkeit) und λ die WellenlĂ€nge der Strahlung. Es mĂŒssen aber weitere Bedingungen erfĂŒllt sein. So sind ĂbergĂ€nge nur zwischen energetisch benachbarten ZustĂ€nden erlaubt. Damit eine Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung mit dem Gas ĂŒberhaupt stattfinden kann, muss sich das Dipolmoment des anzuregenden MolekĂŒls bei der Absorption Ă€ndern.cite-ref-25[25]
Letzteres ist nicht bei allen Gasen möglich. So können bei Edelgasen keine Schwingungen oder Rotationen angeregt werden, da deren MolekĂŒle nur aus einem einzigen Atom bestehen. Auch elementare zweiatomige MolekĂŒle wie Sauerstoff oder Stickstoff absorbieren im infraroten Spektralbereich nicht, da sie kein permanentes Dipolmoment besitzen und bei ihnen auch nur Schwingungen möglich sind, die kein Dipolmoment erzeugen. Allerdings ist die Existenz einen permanenten Dipolmoments keine Voraussetzung fĂŒr eine Strahlungsabsorption. So hat das KohlendioxidmolekĂŒl zwar kein permanentes Dipolmoment, absorbiert aber sehr gut Infrarotstrahlung. Die symmetrischen Streckschwingungen bewirken hier keine Ănderung des Dipolmoments und damit auch keine Absorption. Diese wird durch die Anregung von Knick- und asymmetrischen Streckschwingungen bewirkt.
NDIR-Messprinzip
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Hauptartikel
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Nichtdispersiver Infrarotsensor
Beim NDIR-Prinzip wird die optische Transmission des Gases in einem ausgewĂ€hlten Spektralbereich gemessen. Dieser wird mittels eines Bandpassfilters so festgelegt, dass er möglichst genau eine ausreichend intensive und charakteristische Absorptionsbande des Gases umschlieĂt. Die Abbildung zeigt das am Beispiel des Kohlendioxids.
Daraus kann mittels des Lambert-Beer'schen Gesetzes die Konzentration des Gases berechnet werden:cite-ref-jacob-y-wong-roy-l-anderson-23-1[23]
T G = e â â α α c d {\displaystyle T_{\text{G}}=e^{-\alpha cd}}
Darin sind T G {\displaystyle T_{\text{G}}} die Transmission des Gases, α α {\displaystyle \alpha } der Absorptionskoeffizient, c {\displaystyle c} die Konzentration des Gases und d {\displaystyle d} die LĂ€nge des Absorptionspfades. In GasmessgerĂ€ten ist die PfadlĂ€nge meist die innere LĂ€nge der GaskĂŒvette, das heiĂt der Abstand zwischen den optischen KĂŒvettenfenstern. Zu beachten sind die Bedingungen und Grenzen fĂŒr die GĂŒltigkeit des Gesetzes. Zum Beispiel gibt es Abweichungen bei hohen Konzentrationen, da hier die Wechselwirkung der GasmolekĂŒle nicht mehr vernachlĂ€ssigt werden kann, wie das beim Lambert-Beer'schen Gesetz vorausgesetzt wird. Praktisch wird meist ein prinzipieller Aufbau wie in der Abbildung Transmissionsmessanordnung genutzt.
Darin sind Q eine Infrarotstrahlungsquelle, K1 und K2 die Fenster der GaskĂŒvette mit dem Gas G, F der optische Bandpassfilter und D ein breitbandiger Infrarotdetektor. Als Detektoren werden meist sogenannte thermische Detektoren verwendet. Diese wandeln zunĂ€chst die Strahlung ĂŒber eine breitbandig absorbierende Schicht in eine Temperaturerhöhung eines temperatursensitiven Elements wie einen pyroelektrischen Chip oder ein Thermopile um. Letzteres erzeugt dann ĂŒber eine weitere Umwandlung und gegebenenfalls eine VerstĂ€rkung das Sensorsignal. FĂŒr professionelle Gasmessstrecken werden auf Grund der höheren DetektivitĂ€t meist pyroelektrische Detektoren eingesetzt.
Die Signalspannung ergibt sich dann als spektrale Summe ĂŒber alle Produkte aus der spezifischen Ausstrahlung der Quelle S ( λ λ ) {\displaystyle S(\lambda )} , der Empfindlichkeit des Detektors E ( λ λ ) {\displaystyle E(\lambda )} , der DetektorflĂ€che A {\displaystyle A} und den Transmissionen aller Elemente dazwischen T X ( λ λ ) {\displaystyle T_{X}(\lambda )} :
U = ⫠⫠λ λ 1 λ λ 2 S ( λ λ ) â
â
T K 1 ( λ λ ) â
â
T G ( λ λ ) â
â
T K 2 ( λ λ ) â
â
E ( λ λ ) â
â
A â
â
d λ λ {\displaystyle U=\int _{\lambda _{1}}^{\lambda _{2}}S(\lambda )\cdot T_{K1}(\lambda )\cdot T_{G}(\lambda )\cdot T_{K2}(\lambda )\cdot E(\lambda )\cdot A\cdot d\lambda }
FĂŒr die Berechnung des Signals genĂŒgt es, wenn Anfang und Ende des Integrationsbereichs ( λ λ 1 {\displaystyle \lambda _{1}} und λ λ 2 {\displaystyle \lambda _{2}} ) so festgelegt werden, dass alle Bereiche erfasst werden, die BeitrĂ€ge zum Signal liefern könnten.
Zur Elimination der Konstanten verwendet man meist den Quotienten aus dem Signal mit Gas und ohne Gas. Letzteres kann in einem Mehrkanaldetektor durch einen Referenzkanal realisiert werden, bei dem ein Bandpassfilter verwendet wird, in dessen Durchlassbereich keine Absorptionsbanden der im zu messenden Gemisch vorkommenden Gase liegen. In der praktischen Anwendung wird das Gasmessmodul hĂ€ufig mit Hilfe von PrĂŒfgasgemischen kalibriert.
Bauformen
Die Bauformen von NDIR-Gasmessmodulen werden wesentlich von der Konstruktion der GaskĂŒvette bestimmt. Die einfachste Variante der KĂŒvette ist ein Rohr, an dessen Enden sich Strahlungsquelle und Detektor mit Bandpassfilter befinden. Die LĂ€nge der KĂŒvette sind einige Millimeter bis einige zehn Zentimeter.
Kleinere Bauformen erreicht man durch einen gefalteten Strahlengang mittels Reflektoren. Bei allen steckbaren Modulen sind in der Regel Strahler und Detektor auf einer Seite angeordnet und gegenĂŒber ein Reflektor. Die Abmessungen sind wenige Zentimeter.
Werden groĂe PfadlĂ€ngen benötigt, zum Beispiel bei schwach absorbierenden Gasen, sind die vorgenannten Konstruktionen nicht mehr anwendbar. Es werden dann Zellen mit Vielfachreflexionen eingesetzt, zum Beispiel Pfund-, White-, Herriott- oder Ă€hnliche Zellen.cite-ref-gerhard-wiegleb-12-3[12]
Vorteile
NDIR-GasmessgerĂ€te sind einfach, robust und kostengĂŒnstig. Sie kommen bei einer getakteten Strahlungsquelle völlig ohne mechanisch bewegte Teile aus. Das Prinzip erlaubt bei Nutzung eines zusĂ€tzlichen Referenzkanals eine einfache Funktionskontrolle. Wenn in einem Gasgemisch die Konzentration weniger, bekannter Gase von einigen 10 ppm bis 100 % mit mittlerer Auflösung gemessen werden soll, ist das Verfahren besonders geeignet. Es bietet sich deshalb insbesondere fĂŒr tragbare oder ortsfeste BetriebsmessgerĂ€te und Gaswarneinrichtungen an.
Nachteile
Das Verfahren ist nur bei infrarotaktiven Gasen verwendbar. Edelgase und elementare zweiatomige Gase (wie Sauerstoff oder Stickstoff) können nicht gemessen werden. Ferner mĂŒssen die Absorptionsbanden des zu messenden Gases bekannt sein, um die passenden Bandpassfilter auswĂ€hlen zu können. Ein Gasmessmodul ist deshalb auch immer auf die Gase festgelegt, wofĂŒr es entwickelt wurde. Schwach absorbierende Gase erfordern groĂe PfadlĂ€ngen und damit entweder lange KĂŒvetten oder komplizierte Mehrfachreflexionszellen. Geringe Konzentrationen schwach absorbierender Gase und hohe Konzentrationen stark absorbierender Gase können nicht mit der gleichen KĂŒvette gemessen werden. Sehr geringe Konzentrationen im unteren ppm- oder ppb-Bereich sind nicht messbar. Auf Grund des exponentiellen Zusammenhangs im Lambert-Beer'schen Gesetz unterliegt auch die Messauflösung einem solchen, das heiĂt die Messauflösung wird mit steigender Konzentration schlechter. MĂŒssen sehr viele Gase gemessen werden, wird das Verfahren ungeeignet, da fĂŒr jedes Gas ein Kanal verwendet werden mĂŒsste. Auch Gase mit eng benachbarten oder sich ĂŒberlappenden Absorptionsbanden sind nur mit hohem Aufwand unterscheidbar. Durch Messung im Bereich einer zweiten Absorptionsbande lassen sich solche Gase allerdings oft trennen. Das erfordert jedoch einen weiteren Messkanal.
Betriebsarten und SelektivitÀtssteigerung
Die meisten Funktionsprinzipien von Gassensoren sind meist sehr breitbandig, d. h. der Sensor reagiert auf sehr viele verschiedenartige Stoffe aus der Umgebung gleich. Ziel der Hersteller ist es aber, möglichst selektive Sensoren herzustellen.
Sensorschichtoptimierung
Eine Möglichkeit SelektivitÀt zu erzeugen ist die gezielte Sensorschichtoptimierung auf eine Zielkomponente bzw. Stoffgruppe bspw. durch Zugabe von Katalysatormaterialien.
Filter
Eine weitere Methode zur SelektivitĂ€tssteigerung ist es, Filter zu verwenden. Diese sind im SensorgehĂ€use vor der sensitiven Schicht angebracht und filtern unerwĂŒnschte Komponenten (Querempfindlichkeit).
Betriebsarten
Einzelsensor, Konstantbetrieb
Die Betriebstemperatur von WĂ€rmetönungs- oder MOX-Sensoren liegt zwischen 200 °C und 500 °C. Ein Einzelsensor wird so betrieben, wenn das Messproblem einfach ist und beispielsweise nur eine Gruppe von Gasen nachgewiesen werden sollen (z. B. Alarmschwelle von brennbaren Gasen mit einem Pellistor). Die Signalauswertung und elektronische Beschaltung ist hierbei oft eine MessbrĂŒcke. Zur Kompensation des Einflusses der Umgebungstemperatur und Luftfeuchte sind meist zwei Einzelsensoren in einem GehĂ€use untergebracht, von denen einer passiviert wurde.
Bei komplexeren Problemstellungen wie beispielsweise der Analyse von Gasgemischen oder der Detektion eines Zielgases vor einem dominanten Störhintergrund erfordert einen wesentlich höheren Aufwand intelligenter Betriebsarten und Signalauswertung mit multivariaten Analysemethoden (Hauptkomponentenanalyse, Diskriminanzanalyse, kĂŒnstliches neuronales Netz, elektronische Nase).
Sensorarray
Werden unterschiedliche Sensortypen zusammengeschaltet zu einem Sensorfeld, so haben die Einzelsensoren fĂŒr ein bestimmtes Gas unterschiedliche Empfindlichkeiten. Damit werden charakteristische Signalmuster generiert. Diese Arrays haben aber den Nachteil, dass sie teuer sind, die Sensoren unterschiedlich stark altern und dadurch unterschiedlichen Drifterscheinungen unterliegen.cite-ref-ghenadii-korotcenkov-8-9[8]
Virtueller Multisensor
Die chemischen Reaktionen, die auf der OberflĂ€che eines Gassensors ablaufen, sind von der Temperatur abhĂ€ngig, so dass auch die Eigenschaften eines Gassensors von der Betriebstemperatur abhĂ€ngig sind. Es bietet sich also an, einen einzelnen Sensor bei verschiedenen Betriebstemperaturen zu betreiben. Durch eine geeignete Temperaturmodulation (Temperaturzyklus, T-Zyklus) wird aus einem einzelnen Sensor ein virtueller Multisensor, der je nach Betriebstemperatur unterschiedliches Verhalten fĂŒr das gleiche Gasangebot zeigt und dadurch eine Signalauswertung mit multivariaten Analysemethoden ermöglicht. Man unterscheidet zwischen kontinuierlichen Temperaturzyklen (bspw. sinusförmig) und diskreten. Diskrete Temperaturzyklen erlauben eine schnelle Auswertung im Sekundenbereich und ermöglichen einen pulsförmigen Betrieb, d. h. Pausen zwischen den einzelnen Zyklen, was stromsparend ist und ein wichtiges Kriterium fĂŒr batteriebetriebene Systeme darstellt. Solche kurzen T-Zyklen werden erst durch mikromechanisch strukturierte Substrate mit Membranstruktur ermöglicht. Die Zeitkonstante fĂŒr das thermische Einschwingen auf die Solltemperatur liegt bei solchen Membran-Sensoren im Bereich von etwa 20 ms, wĂ€hrend sie fĂŒr Sensoren mit einem dicken Keramiksubstrat mehrere Sekunden betrĂ€gt. Wegen der Mikrostrukturierung der Sensoren und die dadurch gegebene kleine thermische Masse (Membran) sind Zyklenzeiten von 50 °C auf 400 °C in zehn Temperaturstufen in wenigen Sekunden möglich. Dadurch ist die Gaserkennung sehr schnell, was beispielsweise fĂŒr FrĂŒhwarnsysteme von entscheidender Bedeutung ist. Beim Entwurf von Temperaturzyklen ist darauf zu achten, dass die Sensorantwort von HL-Gassensoren bei einem Temperatursprung in Anwesenheit reduzierender oder oxidierender Gase aus zwei sich ĂŒberlagernden Effekten besteht. Einerseits der Reaktion der sensitiven Schicht auf den Temperaturwechsel und andererseits die Reaktion der Schicht auf das eigentliche Gasangebot und das Einstellen eines neuen Gleichgewichtszustandes auf der SensoroberflĂ€che. Die chemische Reaktion auf einer Temperaturstufe lĂ€uft i. A. wesentlich langsamer ab als das schnelle thermische Einschwingen, wodurch die minimale Stufendauer durch die chemische Reaktion vorgegeben wird.
Neuere Entwicklungen
Ein neuer Ansatz fĂŒr Sensoren basiert auf so genannten Mikrocantilevern. Es handelt sich dabei um winzige Spitzen, wie sie auch in Rasterkraftmikroskopen verwendet werden.cite-ref-elisabetta-comini-guido-faglia-giorgio-sberveglieri-26-0[26] Sie werden mit einem Material beschichtet, das den gesuchten Analyten spezifisch bindet. Cantilever können wie eine Feder schwingen. Sind zusĂ€tzliche Analyt-MolekĂŒle gebunden, Ă€ndert sich die Masse des Mikrocantilevers und damit die Frequenz, mit der er schwingt und die als MessgröĂe aufgenommen wird. Eine Forschungsgruppe beschichtete Cantilever aus Silicium mit einer dreidimensional geordneten Schicht aus Titandioxid-Nanoröhrchen. Titandioxid kann Stoffe gut binden, die Nitrogruppen enthalten, was z. B. fĂŒr TNT und andere Sprengstoffe charakteristisch ist. Auf einem Cantilever lassen sich etwa 500.000 der Nanoröhrchen unterbringen. Der Sensor war in der Lage, noch Konzentrationen an TNT in Luft von weniger als einem ppt innerhalb von 3 Minuten nachzuweisen. Eine praktische Verwendung dieser Sensoren fĂŒr ein selektives Detektorsystem fĂŒr Sprengstoffe oder andere Gase steht noch aus.cite-ref-27[27]
Ein anderes Verfahren basiert auf sogenannten Gold-Mesoflowers, ca. 4 ÎŒm groĂe Goldpartikel, die mit Siliciumdioxid beschichtet sind und als TrĂ€ger fĂŒr winzige Silber-Cluster dienen. Diese sind in einem Protein (Albumin) eingebettet. Mit Licht einer passenden WellenlĂ€nge bestrahlt, lumineszieren die Silber-Cluster rot. Das Gold verstĂ€rkt die Fluoreszenz. Wird eine TNT-haltige Lösung aufgegeben, reagiert diese mit den Aminogruppen des Albumins zu einem Meisenheimer-Komplex. Dadurch wird das rote Leuchten der Silber-Cluster ausgelöscht. Bereits eine TNT-Konzentration von 1 ppb löscht das Leuchten. Durch Kombination mit oberflĂ€chenverstĂ€rkten Raman-Streuung (SERS, Surface-enhanced Raman Scattering) lassen sich Nachweisgrenzen bis in den Zeptomol-Bereich (10â21 mol) erreichen.cite-ref-28[28]
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Weblinks
Commons
: Gassensoren
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą GOSPEL is the European Network of Excellence in Artificial Olfaction
âą Karlsruhe Institute of Technology (KIT) â Forschungsstelle fĂŒr Brandschutztechnik: KAMINA â Karlsruher Gassensor-Mikroarrays fĂŒr die schnelle Brandgasanalytik
âą Advanced Gasmitter (AGM)
âą Gasmessung.de: Vorstellung Messverfahren und weitere Informationen
Einzelnachweise
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